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Fotografie    Donald Jacob

In meiner fotografischen Arbeit interessiert mich der Moment, in dem etwas kippt: ein Blick, ein Schatten, eine Spur im Stadtraum, eine Linie im Meer.
Viele Bilder entstehen unterwegs – Begegnungen in Städten, Landschaften, Zwischenräumen – und sind Teil langfristiger Serien. Hier folgt eine Auswahl aus mehreren Werkgruppen.

HUMAN - Encounters

Körperfragmente, Haut, Hände – diese Serie kreist um Berührung als Grenze zwischen Schutz und Übergriff, Nähe und Kontrollverlust.​
Die Kamera kommt radikal nah heran: Jeder Porenraum, jede Anspannung der Muskeln erzählt von Verletzlichkeit und Stärke zugleich.​
Die Hände formen Gesten der Zuwendung, aber auch der Aneignung – der Körper wird Bildfläche für Begehren, Angst und Erinnerung.​

In den gebogenen Rücken, den gekrümmten Positionen und der Dunkelheit um die Figuren zeigt sich ein existenzieller Dialog zwischen Rückzug und Sichtbarwerden.​
Diese Bilder sind sinnlich und schonungslos zugleich: ein visuelles Protokoll davon, wie tief Berührung in unsere Biografie eingeschrieben ist.

Portraits

Diese Gesichter verschwinden hinter Bildern, die sie selbst erzeugen. Identität wird zur Projektion, das Porträt zur Kampfzone zwischen Innen und Außen.
Blind gefaltet, eingehüllt, dem Blick entzogen – der Körper wird zum Terrain zwischen Schutz und Ausgeliefertsein. Berührung ist hier gleichermaßen Trost und Fessel.​
Am Ende steht ein Gesicht, das sich nicht mehr versteckt: Haare wie ein Vorhang, der sich nur einen Spalt hebt – genug, um den stummen Schrei, die Wut, die Verletzlichkeit zu erahnen.​
Diese Serie macht sichtbar, wie dünn die Grenze ist zwischen Schutz und Gefangenschaft, zwischen Maske und wahrem Selbst – ein sinnliches, schonungsloses Protokoll innerer Zustände.
Die Reduktion auf Schwarz-Weiß verstärkt die zeitlose Aura und öffnet einen Raum für Reflexion und Präsenz.

Behind the mask

Wer bist Du hinter der Maske?
 

Jede Variation ist eine neue Konstellation aus Blick, Kratzspur und Abstand – ein fortlaufendes Labor des Selbstbildes.


2005- Ongoing serie

MOTION - Verschwommene Zeit

Diese Serie wirkt wie ein Strom aus Körper, Farbe und Bewegung – Identität im Zustand der Auflösung.​
Zwischen Unschärfe, Überlagerungen und intensiven Farbfeldern verschwimmen Konturen, Geschlecht und Rolle. Die Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, als würden sie sich im eigenen Bild neu erfinden und gleichzeitig verlieren.​
Die Arbeiten sind sinnlich und radikal zugleich: Sie feiern den Körper als lebendige, verletzliche Oberfläche und hinterfragen gleichzeitig alle festen Zuschreibungen. So wird jede Aufnahme zu einem Moment des Dazwischen – zwischen Malerei und Fotografie, Intimität und Anonymität, Sichtbarkeit und Auflösung.

BALTIC SEA - Landscapes

Die Oberfläche schweigt.

Darunter: Geschichte, Kein O2 mehr = keine Fische MEER

Über viele Jahre hinweg entstanden tausende Aufnahmen der Ostsee – zu unterschiedlichen Jahreszeiten, Tageszeiten und Wetterlagen. Die Serie liest diese Wiederholung als Messreihe: Das Meer wirkt auf Bildern oft gesund, glatt, „funktionierend“. Genau darin liegt die Provokation.

Denn die Oberfläche kann beruhigen, während darunter ein System kippt: drastischer Fischrückgang, sauerstoffarme bis tote Bodenzonen, ein Meer, das an Tiefe verliert. Die Fotografien zeigen keine Katastrophenbilder, sie zeigen Normalität – und machen damit die trügerische Schönheit sichtbar: eine Ästhetik, die Stabilität suggeriert, wo längst Mangel herrscht.

Strukturen

Diese Serie zeigt die Erde im Detail – als dichte Textur aus Gräsern, Blättern, Algen und organischen Strukturen, die zwischen Schönheit und Zerfall oszillieren.​
In den eng gewählten Ausschnitten wird die Landschaft zur abstrakten Komposition: Farbfelder in Grün, Gelb, Rosa und Blau verdichten sich zu einem Gewebe aus Wachstum, Resten und Transformation.​
Was auf den ersten Blick dekorativ wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen Spuren von Trockenheit, Bruch, Überlagerung – die Natur als permanent verletzter, aber widerständiger Organismus.​

So wird jede Aufnahme zu einem mikroskopischen Blick auf ökologische Prozesse: ein sinnlich-poetisches, zugleich kritisches Archiv von Lebensräumen, die kippen, sich anpassen und immer wieder neu entstehen.​
ongoing 50'000 +

Ongoing Work / Process (Instagram)

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