Fotografie Donald Jacob
In meiner fotografischen Arbeit interessiert mich der Moment, in dem etwas kippt: ein Blick, ein Schatten, eine Spur im Stadtraum, eine Linie im Meer.
Viele Bilder entstehen unterwegs – Begegnungen in Städten, Landschaften, Zwischenräumen – und sind Teil langfristiger Serien.
Hier folgt eine Auswahl aus mehreren Werkgruppen.
HUMAN - Encounters
Körperfragmente, Haut, Hände – diese Serie kreist um Berührung als Grenze zwischen Schutz und Übergriff, Nähe und Kontrollverlust.
Die Kamera kommt radikal nah heran: Jeder Porenraum, jede Anspannung der Muskeln erzählt von Verletzlichkeit und Stärke zugleich.
Die Hände formen Gesten der Zuwendung, aber auch der Aneignung – der Körper wird Bildfläche für Begehren, Angst und Erinnerung.
In den gebogenen Rücken, den gekrümmten Positionen und der Dunkelheit um die Figuren zeigt sich ein existenzieller Dialog zwischen Rückzug und Sichtbarwerden.
Diese Bilder sind sinnlich und schonungslos zugleich: ein visuelles Protokoll davon, wie tief Berührung in unsere Biografie eingeschrieben ist.
Portrait
Blind gefaltet, eingehüllt, dem Blick entzogen – der Körper wird zum Terrain zwischen Schutz und Ausgeliefertsein. Berührung ist hier gleichermaßen Trost und Fessel.
In der Dunkelheit der Haut speichert sich Angst, Erinnerung, Widerstand. Die Arme umschlingen den Körper, als wollten sie ihn zugleich festhalten und unsichtbar machen.
Am Ende steht ein Gesicht, das sich nicht mehr versteckt: Haare wie ein Vorhang, der sich nur einen Spalt hebt – genug, um den stummen Schrei, die Wut, die Verletzlichkeit zu erahnen.
Diese Serie macht sichtbar, wie dünn die Grenze ist zwischen Schutz und Gefangenschaft, zwischen Maske und wahrem Selbst – ein sinnliches, schonungsloses Protokoll innerer Zustände.
Die Reduktion auf Schwarz-Weiß verstärkt die zeitlose Aura und öffnet einen Raum für Reflexion und Präsenz.
Behind the mask

Wer bist Du hinter der Maske?
Gesichter, die verschwinden, verzerren, sich auflösen – diese ongoing Serie zeigt Identität als brüchige Oberfläche, als Maskenschicht aus Fragmenten und Projektionen.
Hinter den dunklen, strukturierten Platten schimmern nur noch Spuren eines Ichs hervor, gefangen zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung.
Die Hände halten das Bild vor das Gesicht, als letzter Versuch der Kontrolle – und zugleich als Eingeständnis, dass wir uns in unseren eigenen Bildern verlieren.
Jede Variation ist ein neuer Aggregatzustand des Selbst: mal bedrohlich, mal verletzlich, mal fast humorvoll absurd.
So wird das Porträt zur Kampfzone zwischen innerer Wahrheit und äußerer Fassade – ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist, sondern sich in jedem neuen Bild weiterschreibt.















































